Blauschwanzspint

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Blauschwanzspint

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Überordnung: Coraciimorphae
Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Unterordnung: Alcedini
Familie: Bienenfresser (Meropidae)
Gattung: Bienenfresser (Merops)
Art: Blauschwanzspint
Wissenschaftlicher Name
Merops philippinus
Linnaeus, 1767

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Blauschwanzspint (Merops philippinus) zählt innerhalb der Familie der Bienenfresser (Meropidae) zur Gattung Bienenfresser (Merops). Im Englischen wird der Blauschwanzspint blue-tailed bee-eater genannt. Dieser Taxon wird von einigen Autoren als Unterart von Merops superciliosus im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Ferner wurde die Art in zwei Spezies gesplittet: Merops philippinus und Merops superciliosus.

Die Bienenfresser oder die Spinte umfassen mittelgroße und kleine Vögel, deren schlanke Körper in brillanten Farben schillern und somit zu den schönsten Vögeln zählen. Bei der Verfolgung und Erbeutung von Geflügelten Insekten (Pterygota) kann man ihre rasanten, kunstvollen und anmutigen Flüge knapp über der Wasseroberfläche bewundern.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Blauschwanzspint erreicht eine Körperlänge von etwa 23,0 bis 26,0 Zentimeter, einschließlich der beiden langgestreckten mittleren Schwanzfedern. Ein breiter schwarzer Streifen erstreckt sich vom über Schnabel durch das Auge. Des Weiteren zeigt sich oberhalb und unterhalb des Auges ein schmaler blauer Streifen. Das Obergefieder ist überwiegend grün getönt mit einem rotbraunen Übergang zum Rumpf hin, der azurblau gesäumt ist. Die Flügel sind mehr rotbraun-grün als der Rücken und vereinzelt mit schwarzen Strichen besetzt. Der Schwanz weist eine azurblaue Färbung auf und unterhalb des Schwanz zeigt eine dunkelbraune Färbung. Die langen mittleren Federn sind ebenfalls mit schwarzen Strichen besetzt. Die Kehle ist von einer kastanienbraunen Färbung. Die Färbung geht zur Brust hin in eine grüne Tönung über und diese wiederum geht unter dem Schwanz in ein Blau über. Die Iris der Augen ist karminrot. Des Weiteren ist der leicht gebogene Schnabel schwarz getönt und die Extremitäten weisen eine schiefergraue Färbung auf. Die drei äußeren Zehen sind über ihre Basen vereinigt. Das mittlere Paar Schwanzfedern sind länglich und spitz und projizieren sich 5,08 Zentimeter über die anderen. Bei den Jugendlichen zeigt sich eine verwaschene kastanienbraune Färbung im unteren Hals- und oberen Brustbereich. Die Krone und der Mantel weisen eine mehr bläulich-grüne Tönung auf. Des Weiteren sind die mittleren Schwanzfedern kürzer als bei den Altvögeln.

Lebensweise

Blauschwanzspint
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Blauschwanzspint

Der Blauschwanzspint ist ein geselliger Vogel, der seine Nester in Kolonien angelegt. Dabei gräbt er wie alle Arten aus der Gattung der Bienenfresser (Merops) einen langen Tunnel in sandigem Boden an und legt dort seine Eier ab. In einigen Bereichen können die Blauschwanzspinte auch in gemischtn Kolonien nisten. Die Nacht verbringen die Blauschwanzspinte gemeinsam in großen Bäumen. Man trifft ihn das ganze Jahr über meist in Trupps, oft Schulter an Schulter auf Leitungsdrähten, auf Telegrafendrähten oder auf Gitterpfählen am Rand der Straße sitzend. Er fliegt viel rufend umher und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Mit Vorsicht kann man den Blauschwanzspint in der Brutkolonie beobachten. In der Tat fängt der Blauschwanzspint Bienen (Apoidea) und Wespen (Vespoidea) und scheint gegen das Gift dieser Hautflügler (Hymenoptera) immun zu sein, obwohl er die Stacheln wegklopft, bevor er die Beute verschlingt.

Unterarten

Verbreitung

Blauschwanzspinte - Pärchen
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Blauschwanzspinte - Pärchen

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Blauschwanzspint in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Bangladesch, Kambodscha, China, Hong Kong, Indien, Indonesien, Demokratische Volksrepublik Laos, Malaysia, Myanmar, Nepal, Pakistan, Papua-Neuguinea, Philippinen, Singapur, Sri Lanka, Thailand, Timor-Leste und Vietnam.

Der Blauschwanzspint lebt in folgenden Lebensräumen: Subtropische und tropische Trockenwälder, subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder, subtropische und tropische Mangrovenwälder in höher gelegenen Regionen, Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfall, Süßwasserseen über 8 Hektar, landwirtschaftliche Grundstücke, Weidelandschaft, Plantagen, ländliche Gärten und urbanisierte Flächen.

Ernährung

Der Blauschwanzspint ernährt sich von mittelgroßen bis großen Geflügelten Insekten, hauptsächlich von Hautflüglern (Hymenoptera). Dazu zählen unter anderem Ameisen (Formicoidea), Bienen (Apiformes), Wespen (Vespoidea), Hummeln (Bombus) sowie Hornissen (Vespa crabro). Aber auch Zikaden, Termiten (Isoptera), Libellen (Odonata), Schmetterlinge (Lepidoptera), Wanzen (Heteroptera), Geradflügler (Orthoptera) wie Heuschrecken und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) verschmäht der Blauschwanzspint nicht. Des Weiteren stehen auf seinem Speiseplan Käfer (Coleoptera) und Zweiflügler (Diptera) wie Fliegen (Brachycera). Der Blauschwanzspint ist ein vielseitiger Luftjäger, der allerdings meist nicht wie die Segler (Apodidae) oder die Schwalben (Hirundinidae) unermüdlich hinter fliegenden Insekten (Insecta) herjagt, sondern den kurzen Jagdflug von einer geeigneten Sitzwarte aus vorzieht, das können Leitungsdrähte, Stangen, Zäune oder auch kleine dornige Zweige sein.
Blauschwanzspint
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Blauschwanzspint
Manchmal läßt sich der Blauschwanzspint auch auf den Rücken der Antilopen nieder und sucht den Rücken nach Insekten ab. Bienen (Apiformes) und Wespen (Vespoidea), die zeitweise die wichtigste Nahrung ausmachen, werden nach dem Fang meist in der Mitte des Körpers gefaßt und einige Male kräftig mit dem Kopf auf die Zweige geschlagen. Anschließend kommt die Entgiftung des Stachelapparates. Die Schnabelspitze greift rasch zum Hinterleibsende und reibt dieses mehrmals kräftig gegen eine feste Unterlage. Durch den Druck des Schnabels wird das Gift aus dem Hinterleib der Beute herausgepreßt und anschließend abgewischt. Der Blauschwanzspint kann stechende Hautflügler (Hymenoptera) sehr genau von anderen ungefährlichen Insekten (Insecta) unterscheiden, mit denen dieses Abwischen nicht durchgeführt wird. Selbst wespenähnliche Schwebfliegen (Syrphidae) werden eindeutig als ungiftig erkannt.

Fortpflanzung

Der Blauschwanzspint ist ein reiner Koloniebrüter. Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von März bis Juli statt. Während dieser Zeit kommt es nur zu einer Jahresbrut. Das Nest ist eine über ein Meter lange Erdröhre, die nicht ganz gerade zur eigentlichen Brutkammer führt. In der Regel wird das Nest in Steilhängen und Abbruchkanten im weichen Material gegraben und daher meist an Flußufern, Wegböschungen oder in Sandgruben, gelegentlich aber auch im flachen Boden errichtet. Die Eier werden auf bloßem Untergrund abgelegt, doch häufig sammeln sich sehr viel Chitinteile aus der Insektenbeute als Unterlage. Die eigentliche Legeperiode beginnt im Mai und endet im Juni. Das Weibchen legt meist vier bis fünf ovalförmige, dünnschalige, rein weiße Eier. Des Weiteren weisen die Eier einen sehr intensiven Glanz und eine feine Textur auf. Die durchschnittliche Größe der Eier beträgt 22,35 x 19,05 Millimeter. Das Männchen und das Weibchen wärmen die Eier abwechselnd etwa 20 bis 22 Tage lang. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Männchen und von dem Weibchen ausreichend mit Nahrung in Form von allerlei Insekten (Insecta) versorgt. Die Jungvögel verlassen etwa nach 31 bis 33 Tagen die Bruthöhle. Die Jungvögel weisen in ihrem jugendlichen Federkleid einen grünlich gefärbten Oberkopf und einen grünlich gezeichneten Rücken auf. Des weiteren sind im Schwanz die zentralen Federn kürzer als bei den Altvögeln.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Blauschwanzspint heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 20.000 Quadratkilometer. Der Blauschwanzspint ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Blauschwanzspint selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Blauschwanzspint als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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