Bonapartemöwe

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Bonapartemöwe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Lari
Familie: Möwen (Laridae)
Gattung: Chroicocephalus
Art: Bonapartemöwe
Wissenschaftlicher Name
Chroicocephalus philadelphia
(Ord, 1815)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Bonapartemöwe (Chroicocephalus philadelphia), auch unter den Synonymen Sterna philadelphia und Larus philadelphia bekannt, zählt innerhalb der Familie der Familie Möwen (Laridae) zur Gattung Chroicocephalus. Im Englischen wird die Bonapartemöwe bonaparte's gull genannt.

Die Bonapartemöwe erhielt ihren Namen zu Ehren von Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte, einem Enkel von Kaiser Napoléon Bonaparte. Er war ein italienischer Ornithologe, Pfarrer und Politiker, Bonaparte lebte nach seiner Jugend in Amerika.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Bonapartemöwe ist eine relativ kleine Möwenart und erreicht eine Körperlänge von 33 bis 35 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 80 bis 85 Zentimeter sowie ein Gewicht von 200 bis 250 Gramm. Das Gefieder ist überwiegend weißlich gefärbt, die Flügel und der Rücken weisen eine helle, gräuliche Färbung auf. Der Kopf und der kleine, aber kräftige Schnabel sind schwarz. Der Kopf ist während der Paarungszeit bis zu den Kopfseiten und Nacken völlig schwarz gefärbt. Rund um die Augen zeigt sich ein gut sichtbarer weißer Augenring. Außerhalb der Paarungszeit ist der Kopf weiß gefärbt, es zeigt sich an den Kopfseiten lediglich ein schwärzlicher Fleck. Die Flügelunterseiten sind gräulich gefärbt. Der Schwanz weist eine schwarze Färbung auf. Insgesamt ist die Bonapartemöwe lebhaft gefärbt. Die Extremitäten und die Füße sind blassrot bis orangerot. Bis auf einen kleinen Größenunterschied weisen die Geschlechter keinen Geschlechtsdimorphismus auf. Küken sind mit einem weichen Flaumengefieder bedeckt, ihr Obergefieder ist überwiegend graubraun gefärbt, im Bereich des Kopfes zeigt sich eine hellbraune Färbung, die mit dunklen Punkten durchzogen ist. Die Bonapartemöwe ist eine gute und gewandte Fliegerin, die sich mit schnellen Flügelschlägen fortbewegt. Im Flug ist sie leicht mit einer Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) zu verwechseln.

Lebensweise

Neben den sehr guten Flugeigenschaften sind auch die guten Schwimmeigenschaften erwähnenswert. Die Bonapartemöwe geht sowohl schwimmend und tauchend im Wasser auf Nahrungssuche als in der Gezeitenzone im Schlamm, wo sie nach Beutetieren scharrt. Sie ist auch in der Lage, in der Luft Insekten zu fangen. Bonapartemöwen leben zumeist in geselligen Gruppen und sind überall in ihren Verbreitungsgebieten häufig anzutreffen. Man trifft sie in der Regel in der unmittelbaren Gezeitenzone zwischen Ebbe und Flut an.

Verbreitung

Die Bonapartemöwe lebt in den gemäßigten Regionen des nordwestlichen Nordamerika, insbesondere in Alaska und dem westlichen Kanada. Kleinere Populationen leben als Vagabunden auch an den Küsten Europas, Nordafrika und Ostasiens. Die Brutgebiete liegen an den Küsten, Flussmündungen und im küstennahen Hinterland. Aber auch küstennahe Seen und Teiche sowie Sumpfgebiete werden als Brutgebiet gerne genutzt. Im Herbst ziehen die Bonapartemöwen an die Küstenbereiche der südlichen US-Bundesstaaten und Mexiko zum Überwintern.

Ernährung

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Bonapartemöwen ernähren sich sowohl von kleinen Fischen als auch von Krebstieren, Würmern, Schnecken und kleinen Muscheln. Sie gehen in der Regel in der Gezeitenzone oder an den Rändern von Seen und Teichen auf Nahrungssuche. In der Luft werden zudem Insekten gefangen. Der Nachwuchs wird überwiegend mit Insekten und Larven gefüttert. Bonapartemöwen gehen nur am Tage auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Bonapartemöwen brüten in kleineren Kolonien an Küstenstreifen, auf kleinen Inseln oder an Seen und Teichen im Hinterland. Die Paare leben dabei in monogamer Einehe. Sumpfgebiete, Moore oder andere wasserreiche Süßwasserhabitate dienen ihnen ebenfalls als Brutgebiet. Die Paarungs- und Brutzeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen von Juli bis in den September hinein. Während dieser Zeit kommt es nur zu einem Gelege. Die Nester entstehen in Wassernähe in schützender Vegetation am Boden. Am Nestbau sind beide Partner beteiligt. Ein Nest besteht überwiegend aus weichen Pflanzenteilen, die eine flache Erdmulde auspolstern. Das Weibchen legt zwei bis vier gräuliche bis hellgrüne Eier, die bräunliche Flecken und Punkte aufweisen. Die Eier werden von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von gut 24 Tagen gewärmt. Die Eier weisen eine Größe von 48 mal 33 Millimeter auf. Der Nachwuchs wird mit nahrhaften Insekten und Larven gefüttert. Auch hier beteiligen sich beide Elternteile an der Versorgung des Nachwuchses. Bereits Anfang der vierten Lebenswoche ist dem Nachwuchs ein Jugendgefieder gewachsen. Kaum eine Woche später sind sie selbständig.

Ökologie

Bonapartemöwen sind in der Nähe des Menschen, vor allem in den Brutgebieten, gern gesehene Gäste, da sie während dieser Zeit eine große Menge an Schadinsekten vertilgen. Bonapartemöwen gehören noch nicht zu den bedrohten Vogelarten und sind in allen Verbreitungsgebieten noch häufig anzutreffen. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht bedroht geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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