Dreistachliger Stichling

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Dreistachliger Stichling

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Stichlingsartige (Gasterosteiformes)
Unterordnung: Stichlingsartige (Gasterosteoidei)
Familie: Stichlinge (Gasterosteidae)
Gattung: Gasterosteus
Art: Dreistachliger Stichling
Wissenschaftlicher Name
Gasterosteus aculeatus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) zählt innerhalb der Familie der Stichlinge (Gasterosteidae) zur Gattung Gasterosteus. Im Englischen wird der Dreistachlige Stichling three-spined stickleback oder santa ana stickleback genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Laut der Roten Liste der IUCN wurden die Populationen aus dem Atlantik und dem Schwarzen Meer noch nicht im Detail verglichen. Vorläufige Beobachtungen deuten darauf hin, dass sie wahrscheinlich verschiedene Arten sind.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase erreicht der Dreistachlige Stichling eine max. Gesamtlänge von etwa 11,0 Zentimeter, die Normallänge beträgt etwa 5,1 Zentimeter. In der Regel erreichen die Süßwasser-Formen eine Körperlänge von etwa 8,0 Zentimeter und die Salzwasser-Formen eine Körperlänge von etwa 11,0 Zentimeter. <1>

Der Dreistachlige Stichling weist insgesamt 2 bis 4 Rückenflossenstacheln, insgesamt 10 bis 14 Rückenflossenweichstrahlen, 1 Afterflossenstachel, 8 bis 10 Afterflossenweichstrahlen, 12 Schwanzflossenstrahlen sowie 29 bis 33 Wirbel auf. <1>

Kennzeichnend bei dieser Art sind die 3 bis 4 spitzen, frei stehenden Stacheln vor der Rückenflosse. Die Beckenflosse reduziert sich zu einer starken Rückenflosse und zu einem kleinem Strahl. An den Seiten des Körpers verläuft eine Reihe von Platten. Die Kiemen weisen eine lange und schlanke Form auf. Bei den reinen Süßwasser-Formen zeigen sich auf dem ersten Kiemenbogen 17 bis 25 Kiemenstrahlen und bei den anadromen Formen 1 oder 2 mehr. Die Seitenlinie ist mit kleinen Poren besetzt. Die anadrome Form ist an den Seiten mit bis zu 37 Platten besetzt und weist zusätzlich einen recht ausgeprägten gekielten Schwanzansatz auf. Die Rückenflossenstacheln heben sich deutlich von den Weichstrahlflossen ab. Im hinteren Bereich der Wirbelsäule zeigt sich eine reduzierte Membran. Die Afterstacheln sínd frei vom übrigen Rest der Flossen. Der hintere Rand der Brustflossen wirken fast abgeschnitten. Die Süßwasser-Formen weisen eine braun gesprenkelte oder grünliche Färbung auf und die anadromen Formen sind von einem silbrigen Grün bis bläulichen Schwarz. Ein Paar isolierte Populationen weisen eher eine schwarze Färbung auf. Die Körperseiten sind in der Regel blass, der Bauch ist von einer gelblichen, weißlichen oder silbrigen Färbung. Die Flossen wirken ebenfalls blass und die Bruststrahlen haben oft einen dunklen Punkt. Die Männchen weisen in der Laichzeit - mit Ausnahme der schwarzen Formen - eine brillante bläuliche oder gründliche Tönung mit blau oder grün gefärbten Augen auf. Der vordere Teil des Körpers, vor allem die Brustregion variiert in einem leuchtenden Rot oder Orange. <1>

Flossenformel
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
D. (Dorsale = Rückenflosse) 3/11-12, A. (Anale = Afterflosse) 1/8, V. (Ventrale = Bauchflosse) 1/1, P. (Pectorale = Brustflosse) 9-10, C. (Caudale = Schwanzflosse) 5—6/12/6—7. <2>
Dreistachliger Stichling - Männchen nach dem Ablaichen
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Dreistachliger Stichling - Männchen nach dem Ablaichen

Charakteristisch für die Arten aus der Gattung Gasterosteus sind die freien Stachelstrahlen vor der Rückenflosse und statt der Bauchflossen zeigen sich auf jeder Seite freie Stachelstrahlen und ein dahinter verkümmerter weicher Strahl. <2>

Artcharakteristisch sind die drei Stachelstrahlen vor der Rückenflosse, von denen der erste Strahl über der Basis der Brustflosse auf dem Rücken eingelenkt und der zweite der längste Strahl ist. <2>

Aus verschiedenen Synonymen geht hervor, dass Cuvier & Valenciennes 1829 zwei Formen des Dreistachligen Stichlings unterschieden, von denen es noch nicht ganz feststand, ob sie nur Varianten oder wirklich eigene Arten sind. Die eine Form, als Gasterosteus leiurus oder Gasterosteus gymnurus von Cuvier bezeichnet, besitzt einen nackten Körper, während die andere als Gasterosteus trachurus bezeichnete Form bald mehr, bald weniger an den Seiten des Körpers mit Knochenplatten bedeckt ist. Die Mehrzahl der Zoologen wollten zur damaligen Zeit diese beiden Formen des Stichlings als zwei gesonderte Arten gelten lassen, auch Gasterosteus semiarmatus und Gasterosteus semiloricatus wurden als Variante des Dreistachligen Stichlings betrachtet. Fries und Ekström erklärten, dass die beiden Formen durch den Einfluss der Jahreszeiten entstehen, indem Gasterosteus aculeatus im Sommer als Gasterosteus leiurus und im Winter als Gasterosteus trachurus auftrete. Günther behauptete dagegen, dass die gepanzerten Formen des Stichlings mehr dem Norden und die nackte Form mehr dem Süden angehöre. Die Färbung des Dreistachligen Stichlings erscheint auf dem Rücken graugrün, die Seiten und der Bauch glänzen dagegen silbrig. Bei jüngeren Individuen sind die Seiten des Körpers mit schwarzen Bandstreifen geziert, welche häufig oben und unten ineinanderfliessen. Gegen die Laichzeit hin, welche in die Sommermonate fällt, weisen die Seiten, die Kehle, die Brust und der Bauch dieser Art prächtig rotglänzende Farben auf. <2>

Lebensweise

Dreistachliger Stichling - Männchen mit Laichfärbung
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Dreistachliger Stichling - Männchen mit Laichfärbung

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Dreistachlige Stichling ein benthopelagischer, anadromer Fisch, der in flachen Küstengebieten und in Binnengewässern lebt. Bevorzugt werden von ihm jedoch kleine Bäche. Er kann in einer Vielzahl von Lebensräumen wie in See und in großen Flüssen gefunden werden.

Laut fishbase tritt der Dreistachlige Stichling in Süßgewässern, Flussmündungen und in Küstengewässern auf, Meer und Küstengewässer sind jedoch ziemlich beschränkt. Optimale Wassertemperaturen für den Dreistachligen Stichling sind 4 bis 20 Grad Celsius. Der Dreistachlige Stichling bewohnt die flachen und begrünten Flächen, in der Regel über Schlamm oder Sand. Des Weieren bildet er zahlreiche Schwärme. Die Jugendlichen schließen sich meist den treibenden Algen an. Der Dreistachlige Stichling ernährt sich vorwiegend von Würmern, Krebstieren, Wasserinsekten und deren Larven sowie von auf dem Wasser treibenden Insekten und von kleinen Fischen. Gelegentlich kommt es auch vor, dass der Dreistachlige Stichling sogar seine eigene Brut verspeist. Des Weiteren ist der Dreistachlige Stichling anadrom und nerito-pelagisch (Lebensraum des freien Wassers). Die Eier werden in Nester aus Pflanzenmaterial abgelegt. Gelegentlich wird der Dreistachlige Stichling kommerziell in Skandinavien als Fischmehl und Fischöl verarbeitet. <1>

Dreistachliger Stichling - Männchen beim Befächeln seines Nests
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Dreistachliger Stichling - Männchen beim Befächeln seines Nests

Der Dreistachlige Stichling zeichnet sich von seinen übrigen Art-Verwandten durch seine außerordentliche Sorgfalt für die Brutpflege aus, die jedoch nur den männlichen Stichlingen eigen ist. Die erste Nachricht über den Nestbau der Stichlingen hat man John Hall zu verdanken, dessen Beobachtung im Jahre 1739 von Bradley nebst einer Abbdildung des Nestes des Dreistachligen Stichlings bekannt gemacht wurde. John Hall hatte das Bauen des aus Wurzelfasern angefertigten Nestes von Anfang bis zu Ende beobachtet. Ferner wurden im Juni 1832 weitere Stichlinge bei dem Bewachen ihrer aus Wurzelfasern gebauten und im sandigen Bodengrund eines Teiches versteckten Nester beobachtet. Diese Nester enthielten 60 bis 80 Eier. Weitere Beobachtungen wurden auch in England gemacht und genau beschrieben. Die Nester bestanden aus festgewachsenen Fucoideen (Fucoideen, eine Gruppe der Algen), deren Äste durch einen umgewickelten glasartigen elastischen Faden zu einem Büschel zusammengehalten werden und in ihrer Mitte die abgelegten Eier umschließen. Couch beobachtete drei Wochen lang ein solches Nest und immer sah er dasselbe von einem und demselben Männchen bewacht. Das aufmerksame Männchen besserte jede an dem Nest durch Zufall entstandene und mit Absicht des Beobachters hervorgebrachte Unordnung mit seinem Maul wieder aus. Von Coste wurden diese Beobachtungen sehr erweitert, in dem er als erster erkannte, dass die Männchen es sind, welche das Nest bauen und, nachdem die Weibchen die Eier in das Nest abgelegt haben, vor dem Eingang des Nestes durch fibrierende Bewegungen ihrer Brustflossen reichlich mit Sauerstoff angereichertes Wasser die darin verborgenen Eier befächern. Oft wird das Männchen beim Befächern der Eier unterbrochen, indem es die Weibchen mit Gewalt vom Nest abhält, da die Weibchen gern das Nest zerstören und den darin verborgenen Laich aufzehren. Auch nach dem Schlupf kümmert sich das Männchen intensiv um die Jungfische. Wenn Gefahr droht, so werden diese von dem aufmerksamen Männchen vorsichtig ins Maul genommen und dann in das Nest gespieen. All diese Handlungen des männlichen Stichlings sind auch von Hancock beobachtet und beschrieben worden. Ebenso konnten auch Kinahan und R. Warington diese Beobachtungen bestätigen. <2>

Verbreitung

Dreistachliger Stichling - Männchen mit Laichfärbung
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Dreistachliger Stichling - Männchen mit Laichfärbung

Laut der Roten Liste der IUCN weist der Dreistachlige Stichling ein großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem Belorussland, Belgien, Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Estland, Färöer, Finnland, Frankreich, Georgien, Deutschland, Island, Irland, Isle of Man, Lettland, Litauen, Republik Moldau, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Slowakei, Schweden, Türkei, Ukraine und Vereinigtes Königreich.

Er kommt vor der Nordseeküste von Schottland und Skandinavien, vor den Küsten von Island und dem Weißen Meer, vor der Atlantikküste von Irland bis nach Norden, im Südosten der Küste der Ostsee und in den Flüssen Oder sowie Weichsel, an den Ufern des Schwarzen Meeres und in den Flüssen Donau und Kuban vor. Im Landesinnern in Finnland fehlt der dreistachlige Stichling, außer nördlich von 68° N. Gelegentlich ist er auch im Ärmelkanal und in der südlichen Nordsee zu sehen. In Norditalien wurde der dreistachlige Stichling eingeführt.

Laut fishbase kommt der Dreistachlige Stichling zirkumpolar in der Arktis und in den gemäßigten Zonen vor. Die Verbreitung erstreckt sich vom Süden bis zum Schwarzen Meer. Des Weiteren ist der Dreistachlige Stichling in der Nähe von Süd-Italien, vor der Iberischen Halbinsel, in der Nähe von Nordafrika, in Ostasien nördlich von Japan (35° N), in der Nähe von Nordamerika nördlich von 30 bis 32° N sowie vor Grönland zu finden. <1>

Ernährung

Laut der Roten Liste der IUCN ernährt sich der Dreistachlige Stichling von kleinen wirbellosen Wassertieren, vor allem von Insekten und Krebstieren.

Fortpflanzung

Dreistachliger Stichling - Männchen beim Befächeln seines Nests
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Dreistachliger Stichling - Männchen beim Befächeln seines Nests

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Dreistachlige Stichling ein anadromer Fisch, d. h. dass er vom Meer zum Laichen in die Flüsse aufsteigt. Die zahlreichen Populationen kommen im Brackwasser oder in reinem Süßwasser, selten in Meeresgewässern vor. Für gewöhnlich wandert der Dreistachlige Stichling erst mit zwei Jahren in die See, um dort zu seinen Nahrungsplätzen zu gelangen. In der Reproduktionszeit bewegt sich der Dreistachlige Stichling in den Monaten März und April in den unteren Teil der Flüsse. Der Dreistachlige Stichling erreicht seine Geschlechtsreife etwa mit einem Jahr und laicht in der Regel dann auch zum ersten Mal. In der Laichzeit entwickelt das Männchen einen leuchtend orangefarbenen bis rötlichen Bauch mit blau-grünen Flanken und Augen. Während der Laichzeit ist das Männchen sehr territorial. In den Monaten von April bis Juni konstruiert das Männchen ein Nest auf dem Boden in einem relativ flachen Bereich, der selten mit Wasserpflanzen bewachsen ist. Das Männchen fächert mit seiner Schwanzflosse eine flache Mulde bis zu 14x10 Zentimeter auf. Danach wird die flache Bodenmulde mit pflanzlichen Rohstoffen, vor allem mit Fadenalgen, bestückt. Die Algen werden in der Regel mit Nieren-Sekret vom Männchen verklebt und so zusammengehalten. Nach Fertigstellung des Nestes lockt das Männchen mit Balzsprüngen ein laichbereites Weibchen an das Nest. Nach dem Ablaichen verjagt das Männchen das Weibchen wieder. Das Männchen bewacht das Gelege und befächelt das Nest ständig mit Sauerstoff angereichertem Wasser. Das Laichverhalten ist sehr stereotyp. Nach etwa sieben bis acht Tagen schlüpfen die jungen Stichlinge und verbleiben noch für einige Tage im Nest. Nach dem Verlassen des Nestes werden die Jungfische immer noch vom Männchen bewacht. Die anadromen Individuen sterben in der Regel nach dem Laichzyklus an Erschöpfung, während die Süßwasser-Individuen in der Lage sind, mehrere Zyklen innerhalb von einem Jahr oder manchmal über mehrere Jahre durchzuführen. Die Jugendlichen wandern in den Monaten von Juli bis August in küstennahe Gewässer (anadrome Populationen) oder in tiefere, größere Gewässer (Süßwasser-Populationen, wo sie große Schwärme bilden. Der Dreistachlige Stichling kann ein Lebensalter von etwa 8 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN zählt der Dreistachlige Stichling noch nicht zu gefährdeten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN deshalb als nicht gefährdet geführt (least concern). Auch wenn keine größeren weit verbreiteten Gefahren bekannt sind, so sind doch einige Populationen aufgeführt, die in verschiedenen Bundesstaaten der USA sowie in Kroatien als bedroht betrachtet werden müssen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Gasterosteus aculeatus (Linnaeus, 1758)
  • [2] Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Bearbeitet von Carl Theodor Ernst von Siebold. Professor der Zooologie und Vergleichenden Anatomie in München. Mit 64 Holzschnitten und 2 Farbigen Tafeln. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann. 1863.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Jiri Cihar: Süßwasserfische. Aventinum nakladatelstvi s.r.o., Praha, 1990 ISBN 3-8112-1287-7
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische". Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5

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