Feenlämpchenspinne

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Feenlämpchenspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Corinnoidea
Familie: Feldspinnen (Liocranidae)
Gattung: Agroeca
Art: Feenlämpchenspinne
Wissenschaftlicher Name
Agroeca brunnea
Blackwall, 1833

Die Feenlämpchenspinne (Agroeca brunnea) gehört innerhalb der Familie der Feldspinnen (Liocranidae) zur Gattung Agroeca.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Feenlämpchenspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 5 bis 6 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 9 Millimeter. Die Grundfärbung der Feenlämpchenspinne ist ein helles, leicht golden glänzendes Rotbraun. Auf dem Prosomarücken finden sich angedeutete, dunkle Schrägstreifen, die mehr oder weniger deutlich zu zwei Längsbinden angeordnet sind. Das Rückenschild weist eine rötlich-braune Färbung auf und ist etwa sternförmig mit gelblich glänzenden kurzen Härchen bedeckt. Der Hinterleib ist tonnenförmig, gelblich-braun und dicht mit kurzen, golden glänzenden Härchen besetzt. Auf dem Hinterkörper sind hintereinander mehrere dunkle W-förmige, in der Mitte unterbrochene Querbänder angeordnet. Die Unterlippe ist etwa so lang wie breit und die Pedipalpenladen sind annähernd parallelseitig. Am vorletzten Fußglied besitzt die Feenlämpchenspinne drei Paar lange Stacheln. Die Beine sind rötlich-braun und ebenfalls mit gelblich glänzenden, kurzen Härchen besetzt. Die beiden letzten Glieder sind etwas dunkler gefärbt. Die Entwicklung ist zweijährig und die reifen Tiere sind das ganze Jahr hindurch anzutreffen.

Lebensweise

Die Spinne verrät sich oft durch ihren an niedrigen Pflanzen befestigten, sehr charakteristischen Eikokon. Dieser ist schneeweiß gefärbt und hat etwa die Form eines umgedrehten Weinglases und ist im Volksmund als Feenlämpchen bekannt. Meist aber findet man ihn nicht in dieser auffälligen Form. Die Spinne tarnt den Eikokon nämlich in aller Regel noch in der Nacht der Eiablage. Sie trägt hierzu vom Boden Erdkrumen herbei und befestigt sie unter Zugabe von Speichel außen auf der Kokonhülle. Meist trägt sie so viele Erdpartikel herbei, bis von der eigentlichen Kokonform nichts mehr zu erkennen ist. Die nachtaktive Feenlämpchenspinne hält sich tagsüber meist in ihrem Wohngespinst auf, das sie im Moos und Bodenlaub oder unter Rinden anlegt. In der Nacht geht sie dann auf Beutefang.

Verbreitung

Die Feenlämpchenspinne trifft man in außerordentlich verschiedenen Lebensräumen an. So hält sie sich zum Beispiel in feuchten und trockenen Wäldern auf, ebenso findet man sie in Mooren, auf trockenem Ödland sowie auf Trockenrasen. In Mitteleuropa ist die Feenlämpchenspinne weit verbreitet, man findet sie aber nur selten, da sie im Verborgenen lebt.

Ernährung

Tagsüber verbirgt sich die Feenlämpchenspinne in ihrem Wohngespinst und geht bei Nacht auf Jagd. Dabei klettert und läuft die Spinne sehr vorsichtig umher und fängt alles, was freßbar erscheint. Da die Spinne kein Fangnetz baut, wird die Beute mit dem sehr empfindlich entwickelten Tastsinn aufgespürt.

Fortpflanzung

Feenlämpchenspinne - Ungetarnter Eikokon
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Feenlämpchenspinne - Ungetarnter Eikokon

Die Werbung des Männchens besteht aus einem Winken mit den ersten beiden Beinpaaren, dem ein schnelles Zittern folgt. Diese beiden Bewegungsarten der vorderen Beinpaare werden mehrfach vor der Paarung wiederholt. Nach der Paarung baut das Weibchen in der Dämmerung und nachts einen charakteristischen Eikokon, und befestigt diesen an Zweigen, Pflanzenstängeln oder an Grashalmen. Am frühen Morgen kann man das leuchtendweiße Gebilde sehen. Der Kokon besteht aus einem dünnen Stiel, der mit Hilfe von mehreren Seidenfäden an der Pflanze befestigt wird und der sich allmählich laternen- bzw. lampenförmig erweitert. Seine Regelmäßigkeit verdankt dieses Einest dem besonderen Verhalten der weiblichen Spinne, denn nachdem der Stiel des Lämpchens fertig ist, hängt sich das Weibchen unten daran und baut, sich ständig im Kreise drehend, die Grundform. So entspricht der Kokondurchmesser ziemlich genau dem Abstand zwischen den Spinnwarzen und den prüfenden Tastern der weiblichen Spinne. Das Lämpchen ist in zwei Kammern untergliedert: die Eikammer, in die das Weibchen ihre 40 bis 60 weißlich-gelben Eier ablegt, und eine etwas größere Häutungskammer, in der sich die Jungspinnen nach dem Schlüpfen noch eine Zeitlang aufhalten. Häufig werden die Eier von Schlupfwespen (Ichneumonidae) parasitiert. Zur Tarnung wird der Kokon aus Seidengespinst noch mit Steinchen und mit kleinen Klümpchen feuchter Erde bedeckt. Dazu läßt sich das Weibchen an einem Seidenfaden auf den Boden herab, sammelt mit ihren Kieferklauen die Steinchen und die feuchten Erdkrümelchen auf, krabbelt am Faden wieder zum Eikokon hinauf und befestigt die Steinchen und die tarnenden feuchten Erdkrümel, die nach einiger Zeit erstarren und dem Kokon einen zusätzlichen Schutz bieten. Zum Schluß zieht das Weibchen den Kokon noch an den Grashalm oder Pflanzenstängel heran. Häufig findet man aber immer wieder auch ungetarnte Kokons. Die Jungspinnen schlüpfen etwa drei bis vier Wochen nach der Eiablage aus, dringen in die Häutungskammer ein und leben hier noch weitere zwei bis drei Wochen im Schutz des Kokons. Nach dieser Zeit beißen die Jungspinnen die Außenwand des Kokons durch und krabbeln ins Freie.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
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