Südliche Schwarze Witwe

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Südliche Schwarze Witwe
Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Echte Witwen (Latrodectus)
Art: Südliche Schwarze Witwe
Wissenschaftlicher Name
Latrodectus mactans
Fabricius, 1775

Die Südliche Schwarze Witwe (Latrodectus mactans), oft auch nur Schwarze Wiwte genannt oder auch bekannt als Malmignatte, zählt innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) zur Gattung der Echten Witwen (Latrodectus). Im Englischen wird die Schwarze Witwe Black widow spider genannt.

Namensgebend für die Südliche Schwarze Witwe war, dass sie nach der Paarung das viel kleinere Männchen verspeist und sich somit zur Witwe macht. Der Trivialname "Schwarze Witwe" bezieht sich auf mehrere Arten der Gattung Latrodectus, wird aber in der Regel für Latrodectus mactans gebraucht. Die Schwarze Witwe wird leicht mit der Falschen Witwe (Steatoda paykulliana) verwechselt, letztere ist aber kleiner und in der Färbung meistens dunkelbraun bis schwarz. Allerdings ist auch das Gift dieser Spinnenart potent und man sollte bei einer Begegnung auf keinen Fall versuchen, die Spinne zu ergreifen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Südliche Schwarze Witwe ist die größte Spinne innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae). Die Geschlechter sind sehr verschieden in der Größe. Die Körperlänge beim Männchen beträgt 5 bis 7, beim Weibchen 10 bis 15 Millimeter. Das Gewicht beträgt etwa 1 Gramm. Die Südliche Schwarze Witwe besitzt einen kugelförmig hochgewölbten Hinterkörper, dessen Höhe die Länge sogar übertrifft. Der Körper ist glänzend und weist eine tiefschwarze Färbung auf. Die Südliche Schwarze Witwe besitzt 8 Augen, die in zwei kurzen Querreihen angeordnet sind. Die Beine sind dünn, sehr lang und glänzend. Am letzten Beinglied der Hinterbeine liegt eine Reihe gezähnter Borsten, der sogenannte Borstenkamm. Mit Hilfe dieses Kammes bürstet die Südliche Schwarze Witwe aus ihren Spinnwarzen ein zähes, leimartiges Sekret, mit dem sie ihre Beute bewirft und bewegungsunfähig macht. Dieser Borstenkamm ist nicht zu verwechseln mit dem Kräuselkamm der Kräuselspinnen (Dictynidae), der am vorletzten Beinglied der Hinterbeine liegt, aus viel dichter stehenden Borsten besteht und nur in Verbindung mit einem Spinnsieb (Cribellum) auftritt. Das Weibchen weist zwei rote Punkte über den Spinndrüsen auf, an denen sie leicht zu erkennen ist. Die Beine des Männchens sind länger als die des Weibchens, jedoch ist der Körper deutlich kleiner. An den Seiten des Abdomens hat das Männchen vier Paar rote und weiße Streifen. Ferner weisen die geschlechtsreifen Männchen mehr oder weniger gut ausgebildete Stridulationsorgane am Hinterleib auf, d. h. eine Einrichtung, die durch Reibung Töne erzeugt. Spiderlinge weisen im jugendlichen Alter eine orangene bis braune Färbung auf.

Weibliche Südliche Schwarze Witwe mit Beute
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Weibliche Südliche Schwarze Witwe mit Beute

Lebensweise

Die Südliche Schwarze Witwe baut ihr Haubennetz meist im halbhohen Gras oder an überhängenden Felsen. Das haubenartige Deckengespinst, das sich aus einem Gewirr kurzer, weitmaschiger Fäden zusammensetzt, wird von Spannfäden gehalten. Da sich die Schwarze Witwe hauptsächlich von Geflügelten Insekten (Pterygota) ernährt, zieht sie vom haubenartigen Gespinst nach allen Seiten klebrige Fäden, in denen sich die Geflügelten Insekten (Pterygota) verfangen. Im oberen Teil des Netzes befindet sich der nach unten offene, schüsselförmige Schlupfwinkel, in dem sich die Spinne meistens aufhält. Die Spinne ist nachtaktiv und verbirgt sich tagsüber in ihrem schüsselförmigen Schlupfwinkel. Der Schlupfwinkel liegt in der Mitte des Netzes. Die Südliche Schwarze Witwe ist sesshaft und bleibt zeitlebens an dem selben Ort. Ihrer kannibalistischen Ader entgeht nicht einmal ihr Nachwuchs, wenn er nach dem Schlupf nicht schnell genug das Nest verläßt. Droht Gefahr, so läßt sich die Südliche Schwarze Witwe aus dem Netz fallen und stellt sich tot.

Giftigkeit

Für den Menschen gefährlich werden nur die Weibchen von Latrodectus mactans. Über die Giftigkeit dieser Art gibt es sehr widersprüchliche Angaben. Das Gift dieser Spinne ist zwar sehr potent - es ist 15 mal giftiger als das der Klapperschlangen (Crotalus). Aber in recht kleinen Dosen ist das Gift für den Menschen selten tödlich; für Kinder und geschwächte Menschen ist ein Biss jedoch sehr ernst zu nehmen. Das Gift enthält neurotoxische Wirkstoffe (exzitatorische Neurotoxine: Latrotoxine), die das zentrale und besonders das periphere Nervensystem angreifen. Symptome eines Giftbisses beim Menschen sind vor allem Krämpfe; greifen diese auf die Atemmuskulatur über, kann die Vergiftung einen tödlichen Ausgang nehmen. Es existieren wirksame Antiseren. Heutzutage liegt die Letalität (Wahrscheinlichkeit, nach dem Giftbiss dieser Art zu sterben) bei circa 1%.
Weibchen; Fundort: Swimming Pool in Tyler, Texas
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Weibchen; Fundort: Swimming Pool in Tyler, Texas

Unterarten

Verbreitung

Die Südliche Schwarze Witwe ist hauptsächlich in den südlichen US-Bundesstaaten verbreitet. Dazu gehören unter anderem hauptsächlich Massachusetts, New-Hampshire, Florida, Kalifornien, Arizona, Texas, Oklahoma und Kansas. Einige Unterarten leben auch in Kanada, Mexiko und Südamerika. Die Südliche Schwarze Witwe lebt in wüstenähnlichen, trockenen Gebieten in Bodennähe zwischen Steinen und Gestrüpp, in Südamerika auch in tropischen Zonen.

Ernährung

Die Südliche Schwarze Witwe lebt ausschließlich räuberisch. Zu ihren bevorzugten Beutetieren gehören Feldheuschrecken (Acrididae) und andere größere Insekten (Insecta).
Weibliche Schwarze Witwe mit Beute
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Weibliche Schwarze Witwe mit Beute
Ferner saugt die Südliche Schwarze Witwe auch zahlreiche Falltürspinnen (Ctenizidae) aus, wenn diese mit einem Biss getötet wurden. In ihrem schüsselförmigen Netz mit den klebrigen Fäden verfangen sich meistens die Insekten (Insecta). Die Beutetiere werden in der Regel mit einem Biss getötet. Mit dem Biss wird ein Verdauungsenzym injiziert, dass das Opfer von innen her auflöst. Später wird das Beutetier von der Südlichen Schwarzen Witwe ausgesaugt. Der vollständige Verdauungsprozess findet also außerhalb des Körpers der Südlichen Schwarzen Witwe statt. Die Südliche Schwarze Witwe kann lange Zeit ohne Nahrung auskommen. Sie kann bis zu 200 Tage hungern. Dies ist jedoch erst nach der Reifehäutung möglich. <1>

Fortpflanzung

Südliche Schwarze Witwen erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis vier Monaten. Das kleine Männchen begibt sich meist schon vor der letzten Häutung des Weibchens in dessen Netz. Ein geschlechtsreifes Männchen spinnt ein kleines Samenzellennetz und legt seine Spermien hinein. Mit den Pedipalpen nimmt er nun das Sperma auf und macht sich auf die Suche nach einem Weibchen. Unmittelbar nach der Reifehäutung spinnt das Männchen das Weibchen gewissermaßen symbolisch mit einigen um die Beine gewickelten Fäden fest und vollzieht die Paarung. Während des gewagten Paarungsaktes gibt er sein Sperma über die Pedipalpen an die Geschlechtsöffnung des Weibchens ab. Kurz darauf befreit sich aber das Weibchen und verzehrt seinen Partner, macht sich also sozusagen selbst zur Witwe - daher die Bezeichnung "Schwarze Witwe". Kurz nach der Paarung produziert das Weibchen zwischen 400 und 900 (500) Eier. Nach erfolgter Eiablage stellt das Weibchen mehrere ballonförmige Eikokons her und hängt sie in dem kleinen Nest auf. Schon im Kokon leben die geschlüpften Spiderlinge kannibalistisch und ernähren sich von den Geschwistern. Das Weibchen betreibt eine fürsorgliche Brutpflege und wacht während der Inkubationszeit über das Gelege. Unmittelbar nach dem Schlupf aus dem Kokon verlassen die Spiderlinge das Netz, da sie sonst als Mahlzeit des Weibchens enden. In Freiheit leben Südliche Schwarze Witwen selten länger als ein Jahr. In Gefangenschaft haben sie eine Lebenserwartung von rund drei Jahren.

Galerie


Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • [1] Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
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