Wasserreh

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Wasserreh

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Hydropotinae
Gattung: Hydropotes
Art: Wasserreh
Wissenschaftlicher Name
Hydropotes inermis
Swinhoe, 1870

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Das Wasserreh (Hydropotes inermis) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Hydropotes. Im Englischen wird das Wasserreh Water deer genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das kleinwüchsige aber kräftig gebaute Wasserreh erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 75 bis 100 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 45 bis 55 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,5 bis 7,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 10 bis 15 Kilogramm. In der Größe weisen die Geschlechter keinen Dimorphismus auf. Das Fell ist grob und relativ dicht. Es weist eine gelblichbraune bis graubraune, im Gesichtsfeld auch eine rötlichbraune Färbung auf. Im Bereich der Flanken ist das Fell mit bis zu 4 Zentimetern besonders lang. Dies ist vor allem im Winter der Fall. Der Kinn- und Kehlbereich ist ebenso wie die Spitzen der Ohren weißlich gefärbt. Das dorsale Fell weist eine leicht schwärzliche Streifung auf. Die Bauchseite sowie der Steiß sind rein weiß gefärbt. Der Wechsel zwischen Winter- und Sommerfell erfolgt im April oder Mai sowie im Oktober. Über Hörner verfügen sowohl Männchen als auch Weibchen nicht. Die säbelartigen Eckzähne sind bei beiden Geschlechtern spitz zulaufend. Beim Männchen sind sie deutlich länger als beim Weibchen und können eine Länge von bis zu 5 Zentimeter erreichen. Nur beim Männchen ragen die Eckzähne aus dem Maul heraus. Im Gesichtsfeld verfügen Wasserrehe über Drüsen, mit deren Sekret die Reviermarkierung erfolgt. Die Drüsen sitzen vor den Augen. Derartige Drüsen sind bei keiner anderen Hirschart zu finden. Der Kopf der Wasserrehe ist insgesamt ausgesprochen klein und läuft zur Schnauze hin spitz zu. Die langen und trichterartigen Ohren sitzen weit hinten am Schädel. Die Extremitäten sind lang und schlank ausgeprägt. Das Weibchen verfügt zum Säugen des Nachwuchses über 4 Zitzen. Auch dies ist in der Familie der Hirsche eine Besonderheit, da alle anderen Arten nur über 2 Zitzen verfügen.

Lebensweise

Wasserrehe leben einzelgängerisch oder paarweise, nur selten sind sie in kleinen Gruppen anzutreffen. Die Tiere sind bekannt für eine heimliche und zurückgezogene Lebensweise. Dichte Vegetation bietet ihnen nicht nur reichlich Nahrung, sondern auch Schutz vor Fleischfressern. Wasserrehe sind durchaus territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen. Im Revier eines Männchens werden jedoch ein oder mehrere Weibchen geduldet. Droht Gefahr, so geben sie bellende Laute von sich. Rivalisierende Männchen teilen in Kommentkämpfen Hiebe aus, bei denen sie ihre langen Eckzähne als durchaus gefährliche Waffe einsetzen. Schmerzhafte und tiefe Wunden sind dabei die Regel. Während der Paarungszeit kommt es verstärkt zu Rivalitäten. Nähert sich ein Fleischfresser, so ergreifen Wasserrehe erst im allerletzten Moment die Flucht. Das deutsche Synonym der Tiere lässt es bereits vermuten. Wasserrehe gelten als ausgezeichnete Schwimmer.

Unterarten

Verbreitung

Das Wasserreh ist im östlichen und im südöstlichen Asien weit verbreitet. Vorkommen sind aus China, Laos und aus Nord- und Südkorea bekannt. Als eingeführt gilt das Wasserreh in England und in Frankreich. Hier handelt es sich in der Regel um Gefangenschaftsflüchtlinge. Wasserreiche Habitate wie die dicht bewachsenen Ränder von Seen und Flüssen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Die Tiere sind sowohl in der Ebene als auch im Hügelland anzutreffen. In der Nähe des Menschen kann man Wasserrehe gelegentlich auf landwirtschaftlichen Flächen wie Reisfeldern beobachten. Allzu offene Flächen werden gemieden, eine ausreichende Deckung ist immer erforderlich.

Ernährung

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Wasserrehe von Gräsern, Kräutern, Schilf und auf landwirtschaftlichen Flächen zum Leidwesen der Bauern auch Getreide und andere Feldfrüchte. Das Verdauungssystem ist nicht gut ausgeprägt und extrahiert die Nahrung zu unzureichenden Nährstoffen. Daher sind Wasserrehe in Bezug auf die Wahl der Nahrung sehr wählerisch. Stark faserhaltige Nahrung wird verschmäht, frische grüne Gräser werden hingegen bevorzugt gefressen.

Fortpflanzung

Wasserrehe erreichen die Geschlechtsreife mit sechs bis acht Monaten, wobei Männchen im Schnitt zwei Monate länger brauchen als Weibchen. Zur ersten Paarung kommt es in der Regel jedoch erst im Folgejahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von November bis Dezember, selten bis in den Januar hinein. Die Geburten erfolgen für gewöhnlich im Mai, spätestens im Juni. Während der Paarungszeit legen die Männchen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Sie dulden ausschließlich Weibchen in ihrem Revier und verteidigen dieses gegenüber Rivalen. Die Reviere werden mit Kot, Urin und einem Körpersekret aus den Augendrüsen markiert. Weibchen werden mit schrillen Tönen angelockt. Hat sich ein paarungsbereites Weibchen eingefunden, so führen sie eine monogame Einehe. Die Männchen verlassen die Weibchen jedoch noch vor der Geburt des Nachwuchses. Die Saisonehe hält für gewöhnlich 3 bis 4 Monate. Nach einer Tragezeit von 190 bis 210 (195) Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 6 (2-3) Jungtiere zur Welt. Dies ist in der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) einzigartig. Das Geburtsgewicht liegt bei rund einem Kilogramm. Die Geburt erfolgt an geschützter Stelle, wo die Jungtiere auch bis drei Wochen verbleiben. Die Mutter kommt nur zum Säugen vorbei. Zur Tarnung ist das Fell der Jungtiere mit hellen Flecken versehen. Im Alter von gut 2 Monaten verblassen die Flecken allmählich. Die Säugezeit erstreckt sich über 3 bis 4 Monate. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Die Lebenserwartung der Wasserrehe liegt bei 10 bis 12 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete werden Wasserrehe auf landwirtschaftlichen Flächen als Schädling angesehen. Daher stellt der Mensch den Tieren massiv nach. Das Fleisch wird zudem gegessen und andere Teile des Körpers finden den Weg in die traditionelle chinesische Medizin. Trotz der starken Bejagung gilt das Wasserreh als nur wenig gefährdet. Man schätzt die Population der Nominatform auf rund 10.000 Individuen. Über die koreanische Unterart ist bestandsmäßig nichts bekannt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Vorwarnstufe "Near Threatened" (NT) geführt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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